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Keine Klemme, wohl aber höhere Hürden
Stecken schwäbische Unternehmen in der Kreditklemme? Wohl eher nicht. Um das Geld der Banken zum Fließen zu bringen, müssen sie aber höhere Hürden als bisher nehmen. Dies ist das Ergebnis eines „runden Tisches“, den der SPD-Wirtschaftsclub in der Handwerkskammer für Schwaben (HWK) einberufen hat.
Stecken schwäbische Unternehmen in der Kreditklemme? Wohl eher nicht. Um das Geld der Banken zum Fließen zu bringen, müssen sie aber höhere Hürden als bisher nehmen. Dies ist das Ergebnis eines „runden Tisches“, den der SPD-Wirtschaftsclub in der Handwerkskammer für Schwaben (HWK) einberufen hat. Gemeinsam mit etwa 30 Unternehmern und Selbstständigen diskutierten dort – neben der Vorsitzenden und SPD-Landtagsabgeordneten Dr. Simone Stroh-mayr und deren Stellvertreter Jürgen Schmidt - Dr. Paul Wengert, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Richard Fank, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Augsburg, DGB-Regionsvorsitzender Helmut Jung, Gerhard Remmele, stellvertretender IHK-Regionalgeschäftsführer für Memmingen und das Unterallgäu, sowie stellvertretender HWK-Geschäftsbereichsleiter Markus Prophet.
Wie ernst ist die Lage in der Region? Fank war sich sicher: „Probleme gibt es nur in speziellen Branchen und bei sehr großen Immobilieninvestitionen. Unser Kundenkreis ist von der Kredit-klemme kaum betroffen. Jeder Fall muss zudem einzeln betrachtet werden.“ Ähnlich sahen es die Vertreter der IHK und der HWK. Umfragen hätten keinen flächendeckenden Engpass belegen können, jedoch werde man zumindest das Gefühl nicht los, dass sich die Finanzierungsbedingungen verschärft haben. Unternehmen müssten ihre Hausaufgaben machen und intensiv mit den Kreditinstituten kommunizieren, hieß es. Laut Remmele klagen in Schwaben etwa zwei Prozent der Unternehmen über Kreditablehnungen und weitere 23 Prozent über verschlechterte Kredit-konditionen. Deutschlandweit seien es etwa drei bzw. 25 Prozent. Die etwas bessere Situation vor Ort führte Remmele auf die mittelstandsgeprägte Wirtschaft zurück, in der regionale Geldinstitute aufgrund ihrer ausreichenden Eigenkapitaldecke Kredite liefern könnten und darüber hinaus „sehr nah an den Unternehmen dran“ seien. „Unsere Gelder sind hier in der Region angelegt“, bestätigte Fank.
Prophet wusste zudem Positives vom öffentlichen Förderbereich zu berichten. Trotz Krise hätten dort die Ausleihungen zugenommen. Ohne Anstrengung ginge aber prinzipiell nichts. „Besonders krisengeschüttelt sind Metall- und Zulieferbetriebe. Aufgrund der zu erwartenden schlechten Bilanzen und der damit verbundenen Verschlechterung der Ratingergebnisse wird es für sie vermutlich besonders schwer werden“, so der HWK-Vertreter.
Jung hingegen sah die Schwierigkeiten der Unternehmen weniger in einer möglichen Kreditklemme, sondern vielmehr in der Tatsache, dass insbesondere ausländische Geldgeber nicht selten ihre Finanzmittel zurückziehen und dadurch die Eigenkapitaldecke eines Betriebes schwindet. „Viele sind inzwischen der Meinung, mit Geldanlagen mehr verdienen zu können als mit Produktion. Dieses Problem ist hausgemacht. Wir sollten die Rolle der Finanzwirtschaft überdenken“, sagte der Gewerkschafter und brach zugleich eine Lanze für die Arbeitnehmer. „Sie sind bei keiner Entscheidung gefragt worden und müssen trotzdem den Kopf hinhalten, wenn’s hart auf hart kommt.“
Ob es zur Verbesserung der Finanzierungsbedingungen eines Kreditmediators bedarf, wurde in der Runde kontrovers diskutiert. Remmele sieht für Schwaben derzeit zwar keine großen Fallzahlen für den Kreditmediator, betonte aber, dass die IHK das Verfahren als regionale Moderatorin zwischen Unternehmen und Kreditwirtschaft aktiv unterstütze. Laut Fank kommt es auf ein Zusammenarbeiten und auf eine „gute Mischung der Banken“ an. Statt blinden Aktionismus walten zu lassen solle man die Regionalbanken in Ruhe arbeiten lassen. Sie trügen momentan die Hauptlast, so der Banker weiter.
Prophet appellierte zudem an die Politiker in der Runde, sich dafür einzusetzen, dass die Bilanzierung nach den internationalen IFRS-Regeln für kapitalmarktorientierte Unternehmen nicht auf Mittelständler ausgeweitet wird. Der damit verbundene Zusatzaufwand sei enorm, lautete die Begründung. Probate Mittel, den Unternehmen auf die Sprünge zu helfen, seien hingegen Haftungsfreistellungen, geförderte Kredite und verbilligte Darlehen, hieß es in der Runde. Wengert appellierte an den Bankenvertreter, diese Möglichkeiten in verstärktem Maße für die Kunden bereit zu halten.
Wie zu erfahren war, sollen die Ergebnisse des Wirtschaftsclubs nun dazu genutzt werden, um im Bayerischen Landtag entsprechende Impulse zu setzen. Deren zentraler Kern sei der verantwortungsvolle Umgang mit dem Geld, den es unbedingt anzustreben gelte, da die Existenz vieler Menschen auf dem Spiel stünden, meinten Strohmayr und Wengert einvernehmlich.
http://www.wirtschaftsclub.org
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