Dr. Simone Strohmayr, MdL - Ein Genosse im Abseits
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Ein Genosse im Abseits

Mit seinen Thesen macht sich Thilo Sarrazin keine Freunde bei den Genossen im Augsburger Land. „Unmöglich“ findet die Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr die Äußerungen des Bundesbankvorstands. Ihr Kollege Harald Güller spricht von einem „Selbstdarsteller“, der sein Buch verkaufen wolle. (Artikel erschienen in der AZ am 02.09.2010)

 

Mit seinen Thesen macht sich Thilo Sarrazin keine Freunde bei den Genossen im Augsburger Land. „Unmöglich“ findet die Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr die Äußerungen des Bundesbankvorstands. Ihr Kollege Harald Güller spricht von einem „Selbstdarsteller“, der sein Buch verkaufen wolle.

Simone Strohmayr ist entsetzt über die Thesen Sarrazins zur Integration. „Wir müssen das natürlich grundsätzlich thematisieren, aber doch nicht auf diese Art und Weise.“ Anstatt Gruppen der Gesellschaft zu diskriminieren und Anschuldigungen zu verbreiten, geht es nach Ansicht von Strohmayr darum, nach vorne zu schauen sowie Wege und Verbesserungen zu suchen, um die verschiedenen Gruppen in der Gesellschaft zu vereinen. Ein wichtiger Punkt ist für die Politikerin zum Beispiel ein verpflichtendes kostenloses Kindergartenjahr für alle. „So können wir schon früh lernen, gemeinsam auszukommen.“

Maximilian Wendl, Vorsitzender der Jusos Augsburg-Land, spricht von einer „untragbaren“ Debatte: „Thilo Sarrazin ist bereits in der Vergangenheit immer wieder mit abfälligen und rassistischen Äußerungen in Erscheinung getreten. Seine aktuellsten, anlässlich der Veröffentlichung seines Buches in die Medien geratenen Thesen bilden deshalb nur einen weiteren traurigen Höhepunkt.“

Sarrazin bediene sich an „altbekannten leeren Worthülsen aus dem rechten Lager“, die er unter dem Deckmantel angeblicher wissenschaftlicher Beweisbarkeit salonfähig machen möchte, so Wendls Vorwurf. Dabei würden Klischees und Stammtischparolen vermischt und es werde versucht, verschiedene Bevölkerungsgruppen gegeneinander aufzuhetzen. Fehlgeschlagene und problematische Integrationsprozesse seien kein Ergebnis genetisch bedingten Ursprungs, betont Wendl. Integration sei vielmehr eine Aufgabe, die von beiden Seiten aktiv vorangetrieben werden müsse.

Der Landtagsabgeordnete und SPD-Unterbezirksvorsitzende Harald Güller wirft Sarrazin vor, willkürlich Zahlen zusammengewürfelt zu haben. Völlig unter den Tisch falle zum Beispiel, wie viel Geld Migranten in die Rentenkassen einzahlen. „Sarrazin hat sich einen populären Mix geschaffen, um sein Buch zu verkaufen.“

Die Genossen im Augsburger Land setzen darauf, dass Sarrazin aus der Partei austritt. Wendl: „Er distanziert sich ganz deutlich von den Grundwerten der Partei.“ Die Jusos Schwaben und die Jusos Augsburg-Land forderten Sarrazins sofortigen Austritt. Wenn Sarrazin nicht freiwillig gehe, müsse vor Ort ein Verfahren zum Ausschluss eingeleitet werden, findet auch Güller. Dessen Thesen seien mit dem Grundgedanken der Solidarität in der Sozialdemokratie nicht vereinbar.

Simone Strohmayr hofft, dass Sarrazin von sich aus geht: „Ich möchte so jemanden in meiner Partei nicht mehr haben.“ Ihrer Meinung nach gibt es in Deutschland aufgrund seiner Geschichte einige Tabuthemen (Stichwort „jüdische Gene“), die nun verletzt worden seien. Strohmayr sagt klipp und klar: „Da will ich auch nicht mehr diskutieren.“

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