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Renate Schmidt in Gersthofen
Gersthofen. "Familienpolitik geht uns alle an, ob alt oder jung, ob mit oder ohne Kinder", appellierte die ehemalige Bundesfamilienministerin Renate Schmidt bei ihrem Besuch in Gersthofen. Unter dem Motto "Zukunft Familie" erklärte sie den rund 100 Besuchern in der TSV-Gymnastikhalle die Folgen des demographischen Wandels und zeigte Wege für eine sinnvolle und zielführende Familienpolitik auf.
Schmidt, die auf Einladung von Peter Schönfelder (SPD-Bürgermeisterkandidat in Gersthofen) und SPD-Landratskandidatin Simone Strohmayr nach Gersthofen gekommen war, forderte einen Mentalitätswandel in Deutschland. Die Gesellschaft habe sich ganz gut in einem Leben ohne Kinder arrangiert. "Es werden zwar Horrorszenarien über den demographischen Wandel gelesen, aber Kinder werden in unserem kinderentwöhnten Land nicht wirklich vermisst", sagte Schmidt und forderte, Kinder wieder mehr in den Mittelpunkt zu stellen und nicht das Humankapital, den Familienlastenausgleich, das Familiensplitting oder die Rentenversicherung.
Eine gute kommunale Familienpolitik müsse sich, wie eine gute Bundes- oder Landesfamilienpolitik, in erster Linie um drei Dinge kümmern: eine gute Infrastruktur für Familien und Kinder, Zeit, das heißt Vereinbarkeit von Familie und Beruf, und Geld (beispielsweise bezahlbarer Wohnraum, Vergünstigungen für Familien, kostenlose Schulspeisung usw.).
"Unser Land braucht jedes Talent. Wir geben nicht nur zu wenig für Bildung aus, sondern das auch noch falsch: Das meiste geht in die Oberstufe und das wenigste in den vorschulischen Bereich. Aber genau dort sind die Kinder am bildungsfähigsten, dort lassen sich Defizite am besten ausgleichen", meinte Schmidt. Dem stimmte Peter Schönfelder zu. Die SPD-Stadtratsfraktion habe dem Haushalt nicht zugestimmt, da er zwei zentrale Forderungen der SPD, nämlich das kostenlose letzte Kindergartenjahr und ein weitere Mitarbeiter im Bereich Jugendarbeit, nicht enthielt. Man habe, gegen die Stimmen der CSU, durchgesetzt, dass bei den nächsten Haushaltsberatungen ein kinder-, jugend- und familienfreundlicher Haushaltsentwurf vorgelegt werde.
Auch Simone Strohmayr sprach sich für einen familienfreundlichern Landkreis aus. Der demographische Wandel sei eine große Herausforderung für den Landkreis Augsburg vor allem für den ländlichen Raum. Daher brauche man eine moderne und aktive Familienpolitik. "Wir müssen auf die anstehenden Veränderungen in der Gesellschaft eingehen und die Zeichen der Zeit endlich wahrnehmen", forderte Strohmayr. Wir brauchen ein Bündnis für Familie, ein Netzwerk von Ehrenamtlichen, Babysitter, Nachbarschaftshilfe, Jobpaten etc, die den Familien helfen.
Kinder, so Schmidt, sind unsere Zukunft: "Weder Aktiendepots, Immobilien noch Sparguthaben können uns im Alter pflegen." Kinder seien auch die Gewissheit, dass etwas von uns bleibe. "Sie bedeuten Glück. Und deshalb sollten wir, die Kinder haben, über dieses Glück auch reden: öffentlich und laut."
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