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Endlich Zeit für Gleichbehandlung
Die Idee ist schon 100 Jahre alt. Damals ging es ums Wahlrecht, heute um den Berufsalltag und Frauenarmut (Artikel in der AZ vom 08.03.2011).
Landkreis Augsburg. Schon 100 Jahre alt ist der Weltfrauentag. Die Forderung nach Gleichbehandlung vor allem im Berufsalltag ist dennoch heute wie damals aktuell. Vor 100 Jahren hatten Frauen in Deutschland kein Wahlrecht und waren rechtlich und gesellschaftlich nicht mit Männern gleichgestellt. Das zu verändern waren Forderungen am ersten internationalen Weltfrauentag im Jahr 1911. Seitdem hat sich freilich einiges getan.
„Dennoch werden Frauen immer noch ungleich behandelt“, sagt Simone Strohmayr, Landtagsabgeordnete und frauenpolitische Sprecherin der SPD. Sie bittet nicht um Blumen als Geschenk für Frauen, wie in vielen Ländern üblich, sondern fordert stattdessen, „die Misere zu bekämpfen“.
Vor allem alleinstehende Frauen seien finanziell schwächer gestellt. Sie fordert konkrete Maßnahmen, wie den Bau von mehr Sozialwohnungen, um die Situation von Frauen zu verbessern. „Armut in Bayern ist Frauenarmut“, sagt Strohmayr. Auch für Carolin Trautner, stellvertretende Kreisvorsitzende und Ortsvorsitzende der CSU Stadtbergen, ist das ein wichtiges Thema. Der Weltfrauentag sei wichtig, um solche Probleme zu besprechen. In Stadtbergen leben viele Alleinerziehende. Um für diese Frauen, die besondere Unterstützung benötigen, mehr Hilfe zu bieten, sei ein Familienbüro im Ort in Planung. Dieses soll ein Netzwerk knüpfen, um individuelle und ortsnahe Betreuung bieten zu können.
Ein Viertel weniger
Vor allem die starken Lohnunterschiede von Frauen und Männer seien bedenklich. 24 Prozent weniger als ihre männlichen Arbeitskollegen verdienen bayerische Frauen im Durchschnitt. „In heutigen Zeiten ist das eigentlich undenkbar“, so Trautner.
Dennoch ist es Realität: Karin Fluhr, Ortsvorsitzende der Grünen in Neusäß, arbeitet als Ingenieurin, traditionell eher ein Männerberuf. „Jahrelang habe ich weniger als Männer verdient“, sagt sie. Erst seit sie im öffentlichen Dienst tätig sei, habe sich das gebessert. Sie habe persönlich miterlebt, wie Frauen bei der Besetzung von Führungspositionen übergangen wurden.
Im Rentenalter geht die Ungleichbehandlung weiter. Die Durchschnittsseniorin im Landkreis bekomme nur rund die Hälfte im Vergleich zu den männlichen Rentnern. Der Weltfrauentag sei für sie ein guter Zeitpunkt, um einen alten Wunsch zu fordern: Gleichbehandlung.
Das sieht Christina Auernhammer etwas anders. Sie ist Geschäftsführerin des Hotels „Die Post“ in Zusmarshausen. „Ich habe mich nie benachteiligt gefühlt“, sagt Auernhammer. Familie und den Beruf als Selbstständige zu vereinbaren sei nicht immer leicht gewesen. „Doch die Männer helfen mittlerweile immer mehr mit.“ Sie habe nichts gegen den Weltfrauentag. Besonders wichtig sei er ihr aber nicht. Über einen Strauß Blumen wurde sie sich immer freuen.
Erika Berckhemer, Künstlerin aus Diedorf, war nicht bewusst, dass sich der Weltfrauentag bereits zum 100. Mal jährt. Dennoch sei der Tag wichtig, ist sie überzeugt. Vor allem in die junge Frauengeneration setzt sie ihre Hoffnung. „Wir Frauen müssen selbst dafür sorgen, dass die Situation besser wird“, sagt Berckhemer.
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