Dr. Simone Strohmayr, MdL - Stärkung statt Einheitsbrei
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Stärkung statt Einheitsbrei

SPD-Abgeordnete machen in Günzburg Werbung für das Modell der Gemeinschaftsschule. Eltern sind eher dafür, von den Lehrern kommt Kritik

 

Stärkung statt Einheitsbrei „Wir hoffen auf eine Abstimmung mit den Füßen.“SPD-Landtagsabgeordneter Dr. Linus Förster
Günzburg Schule macht Spaß. Und sie legt die Basis für ein erfolgreiches (Berufs-) Leben. Oder auch nicht. 7,9 Prozent eines jeden Jahrgangs verlassen in Bayern die Schule ohne Abschluss. Im Landkreis Günzburg sind es nach SPD-Recherchen sogar 9,9 Prozent. Druck, Stress und Ängste erfahren auch viele von jenen, die die Schule schaffen. Ihre Eltern obendrein. Bildung wird zudem immer teurer, der Schulerfolg hängt nicht selten vom Geldbeutel und vom Bildungsgrad der Eltern ab. Das alles sollte sich grundlegend bessern, ist die SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag überzeugt. Ihr Alternativangebot ist die Gemeinschaftsschule.
Mitglieder der SPD-Landtagsfraktion sind derzeit im Freistaat unterwegs, um bei insgesamt 27 Bildungsdialogen ihr Modell der Gemeinschaftsschule vorzustellen und um Unterstützung zu werben. Eine Station war Günzburg. „Wir haben nicht den Stein der Weisen“, bekannte der SPD-Bildungsexperte Martin Güll beim Bildungsdialog im Forum am Hofgarten. Deshalb wolle die SPD für ihre bildungspolitischen Vorstellungen nicht nur werben, sondern im Gespräch mit Eltern und Lehrern auch Anregungen und Kritik entgegen nehmen. Wie in Günzburg geschehen.
An den bayerischen Schulen werde hervorragende Arbeit von engagierten Lehrern geleistet, betonte auch die SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Simone Strohmayr (Stadtbergen). Trotzdem müsse aus vielerlei Gründen nach neuen und besseren Wegen an den Schulen des Freistaats gesucht werden. Die Probleme des dreigliedrigen Schulsystems – bestehend aus Mittelschule, Realschule und Gymnasium – seien der CSU seit vielen Jahren, der FDP seit Neuerem bekannt. Geändert werde dennoch nichts, erklärten Güll und Strohmayr.
Was schlägt die SPD-Landtagsfraktion vor? Der Schlüsselbegriff lautet „längeres gemeinsames Lernen“ – in Form der Gemeinschaftsschule. Ideal wäre es nach Ansicht der Sozialdemokraten, wenn die Buben und Mädchen von der ersten Klasse bis zur Mittleren Reife bzw. bis zum Abitur gemeinsam unterrichtet würden. Das sei aber momentan nicht umsetzbar.
Deshalb fordert die SPD, dass die Kinder vorab nach der Grundschule in den Klassen 5 bis 10 gemeinsam in die Schule gehen. Wer nach der zehnten Klasse, also der Mittleren Reife, das Abitur machen will, wechselt aufs Gymnasium. Eine solche Gemeinschaftsschule soll nicht verpflichtend eingeführt werden, betont die SPD, sondern als flächendeckendes Zusatzangebot. Die Eltern sollen also wählen können. „Wir hoffen auf eine Abstimmung mit den Füßen“, erklärte SPD-Landtagsabgeordneter Dr. Linus Förster. Das in vielen westlichen Ländern erfolgreiche Modell des längeren und erfolgreicheren gemeinsamen Lernens solle sich so auch in Bayern durchsetzen.
Zum einen gehe es bei der Gemeinschaftsschule darum, Druck und Ängste – verursacht nicht zuletzt durch die frühe Auslese in der Grundschule – von Kindern und Eltern zu nehmen. Zum anderen sei es ein Ziel, intelligente Spätentwickler im Schulsystem mitzunehmen oder sozial Schwachen ein finanziell leistbares Lehren und Lernen in Form einer weitgehend als Ganztagsschule organisierten Gemeinschaftsschule zu ermöglichen. „Nachhilfe kostet bis zu 150 Euro im Monat“, betonten die SPD-Abgeordneten. Das könnten sich viele nicht leisten, dadurch gingen aber zahllose Talente für die Gesellschaft verloren. „Das können und wollen wir uns nicht länger leisten“, sagte Güll.
Bei der Gemeinschaftsschule gehe es nicht um einen nivellierenden Einheitsbrei. Leistung sei auch in dieser Schulform gefordert. Ziel sei aber die Stärkung eines an Fähigkeiten und Neigungen der Kinder orientierten Lernens. Das erfordere fraglos auch Änderungen bei der Organisation der Schule und der Arbeit der Lehrer. „Die Gemeinschaftsschule ist nicht mehr die klassische Schule, die wir kennen“, so Dr. Simone Strohmayr.
In drei sogenannten Dialoginseln diskutierten die SPD-Landtagsabgeordneten mit Eltern und Lehrern über das Modell der Gemeinschaftsschule. Die Ergebnisse fasste am Ende Strohmayr zusammen. Kritik hätten vorwiegend die Lehrer vorgebracht, die zum einen auf die Vorzüge des durchaus differenzierten dreigliedrigen Schulsystems und die Schwächen einer Gemeinschaftsschule hingewiesen hätten. Bestärkt hätten die SPD hingegen die meisten Eltern, die sich von einer Gemeinschaftsschule mehr Spaß am Lernen und einen größeren Erfolg für alle versprechen. (msk)

Günzburger Allgemeine

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